Neue Wege der internationalen Förderung - Was Fundraiser:innen jetzt wissen sollten

25.03.2026, 16:07

Fördermittel machen heute selten an Landesgrenzen halt. Immer häufiger unterstützen internationale Partner Projekte in Deutschland – und umgekehrt. Dieses grenzüberschreitende Zusammenspiel wandelt sich derzeit spürbar: Neben klassischen Stiftungen treten neue Akteure auf, etwa Donor-Advised Funds, digitale Giving-Plattformen und globale Corporate-Giving-Programme. Dadurch fließen Mittel oft schneller, flexibler und digitaler, während langfristige Stiftungsmodelle in einigen Bereichen an Bedeutung verlieren.

Für Organisationen heißt das: Die Vielfalt wächst, aber auch die Komplexität. Neue Wege ermöglichen zusätzliche Kooperationen und innovative Projektformate, gleichzeitig werden Recherche, Ansprache und Reporting anspruchsvoller.

Dieser Wandel zeigt sich vor allem in der transnationalen Förderung, aber auch in Deutschland können wir erste Anzeichen beobachten. So nimmt der Anteil gemeinnütziger Stiftungsgründungen ab, während alternative Modelle zunehmen sowie Corporate Giving strukturell an Gewicht gewinnt. Vieles deutet darauf hin, dass sich diese Entwicklungen in Zukunft weiter verstärken werden. Daher ist es für Fundraiser:innen wichtig, sich jetzt schon strategisch gut vorzubereiten.

In diesem Fördertipp geben wir einen kompakten Überblick über die aktuellen Entwicklungen – und zeigen, wie Sie diese Trends gezielt für Ihre Arbeit nutzen können.

Unser Tipp: Behalten Sie die Entwicklung der transnationalen Förderung gezielt im Blick. Sie erweitert ihre Handlungs- und Förderspielräume, erfordert aber eine angepasste Fundraisingstrategie.

 

Von Stiftungen zu Funds

In den vergangenen Jahren zeigt sich ein klarer Trend: Vermögende Einzelpersonen und Unternehmen gründen seltener klassische Stiftungen. Stattdessen setzen sie zunehmend auf Donor-Advised Funds (DAFs), digitale Service-Plattformen oder Corporate-Giving-Fonds im Ausland. Diese Modelle versprechen weniger Administration, mehr Flexibilität und schnellere Förderentscheidungen, also für die Gebenden ein attraktives Gesamtpaket.

Ein Beispiel: Ein Unternehmen möchte sich für zwei Jahre im Bereich Gründungsförderung engagieren, weiß aber noch nicht, ob das Thema langfristig Teil seiner Strategie bleiben wird. Eine klassische Stiftung wäre dafür ein großer, dauerhaft angelegter Schritt. Ein Donor-Advised Fund dagegen ermöglicht es, unkompliziert Mittel bereitzustellen, flexibel zu entscheiden und das Engagement bei Bedarf anzupassen.

Der Unterschied liegt hier besonders in der Dynamik. Während klassische Stiftungen dauerhaft einem festen gemeinnützigen Zweck unterliegen und klaren Regeln unter staatlicher Kontrolle folgen, agieren Donor-Advised Funds oder direkte Unternehmensspenden deutlich flexibler, allerdings mit geringerer langfristiger Bindung und teilweise geringerer Transparenz.

Diese Entwicklungen führen nicht unbedingt zu mehr oder weniger Fördermitteln, aber zu neuen Wegen, wie diese Mittel vergeben werden. Wer DAFs und Plattformmodelle aufmerksam verfolgt und strategisch in seine Akquiseplanung integriert, findet weitere Optionen in der transnationalen Finanzierung.

 

Unternehmensförderung nimmt zu

Während klassische Stiftungsförderung in manchen Bereichen stagniert oder sich verengt, setzen große Unternehmen zunehmend auf DAF-Strukturen, um ihr Corporate Giving global flexibel zu steuern – vor allem in den USA und Großbritannien ist das bereits gängige Praxis. In Deutschland sind DAFs bisher vor allem für vermögende Privatpersonen relevant; erste Anbieter wie UBS oder Sinngeber bieten über Dachstiftungen entsprechende Modelle an. 

Für Fundraiser:innen bedeutet das, dass sich zwar die potenziellen Finanzierungsquellen erweitern, gleichzeitig verschwinden viele Töpfe aus den bekannten Recherchesystemen. Es wird in Zukunft weniger mit Stiftungsvorständen und dafür häufiger mit CSR-Abteilungen, Impact-Teams oder Plattform-Manager:innen zusammengearbeitet. Diese arbeiten oft themengetrieben und reagieren stärker auf aktuelle gesellschaftliche oder unternehmensinterne Prioritäten. Förderthemen wie Klimaschutz, Diversität, Mitarbeiterentwicklung oder Bildung sind häufig vertreten.

Das kann positiv sein, etwa wenn Unternehmen mutige Pilotprojekte fördern, die klassische Stiftungen nicht unterstützen möchten. Gleichzeitig besteht jedoch das Risiko, dass Förderlinien schneller kippen und Prioritäten sich jährlich verändern.

Für NGOs ergeben sich daraus vor allem neue Anforderungen:

  • Förderbeziehungen werden dynamischer, wodurch flexible Strukturen und anpassungsfähige Planungen an Bedeutung gewinnen;
  • Nachweispflichten entwickeln sich weiter, und Wirkungsindikatoren werden zu einem zentralen Instrument, um Projekte überzeugend darzustellen;
  • Kommunikationsstrategien sollten gezielt auf die jeweiligen Förderpartner abgestimmt werden – von zurückhaltender Begleitung bis hin zu sichtbarem Co-Branding.

 

Von Transparenz zu Wirkung: Was jetzt zählt

Die wachsende Bedeutung von Fonds, Plattformen und Corporate Giving hat einen direkten Effekt auf Recherche- und Reportingprozesse im Fundraising. Während Stiftungen in vielen Ländern gesetzlich zur Veröffentlichung bestimmter Informationen verpflichtet sind, gelten für DAFs und Plattformstrukturen oft andere Rahmenbedingungen.

Das bedeutet für Fundraiser:innen, dass Fördernde nicht immer eindeutig identifizierbar sind, dass Ansprechpartner:innen je nach Plattform oder Fonds wechseln und dass Informationen zu Förderkriterien teilweise weniger formalisiert vorliegen.

Daraus ergeben sich auch neue Wege für die Fördermittelrecherche. Diese erfolgt nicht mehr ausschließlich über Stiftungsverzeichnisse, sondern zunehmend über Plattform-Datenbanken wie Benevity, die globale Corporate-Giving-Programme und DAFs bündeln, über Impact-Netzwerke wie PHINEO, die Fördernde und gemeinnützige Organisationen strategisch zusammenbringen, über internationale Funding-Reports wie den Giving in Germany Report der Maecenata-Stiftung sowie über thematische Impact-Pools wie die UK Online Giving Foundation, die Spenden von über 480 Unternehmen an Tausende Charities weltweit vermittelt.

Auch im Reporting entstehen neue Anforderungen. Besonders im Unternehmensbereich legen viele Fördergeber Wert auf quantifizierbare Wirkung, standardisierte Indikatoren und transparente Dokumentation. Wirkungsberichte und Wirkungsmodelle (Theory-of-Change) oder kurze digitale Updates sind nicht überall verpflichtend, aber weitgehend Standard.

Ein weiterer Trend, der sich abzeichnet, ist die Erwartung einer flexiblen Kommunikationsweise. Manche Fonds bleiben bewusst im Hintergrund und wünschen keine Sichtbarkeit, während andere großen Wert auf Storytelling und öffentliche Darstellung legen. Häufig steht dabei eine erhoffte Reputationswirkung im Vordergrund.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Fundraisingstrategie für transnationale Förderung auf klaren internen Strukturen für Datenerhebung, Monitoring und Kommunikationsplanung basieren sollte. Wer diese Aspekte im Blick behält und agil handelt, kann unterschiedliche Anforderungen verschiedener Fonds parallel erfüllen und neue Förderinstrumente gut in bestehende Systeme integrieren.

 

Strategisch mit neuen Instrumenten arbeiten

Die transnationale Finanzierung wird breiter und diverser, wodurch ein strukturiertes Vorgehen erforderlich ist. Um DAFs, internationale Unternehmensfonds und digitale Plattformen sinnvoll einzubinden, lohnt es sich, strategische Grundsätze zu definieren.

Projektarten klug zuordnen
Kurzfristige, flexible Fördermittel eignen sich gut für Pilotphasen, Experimente oder kleinere Innovationsvorhaben. Langfristig angelegte Programme profitieren meist von stabilen Partnern, auch wenn diese schwieriger auffindbar sind.

Dann investieren, wenn Anforderungen klar sind
Viele neue Fördergeber arbeiten mit Indikatoren, Kennzahlen und Wirkungsmessung. Wer entsprechende Systeme vorbereitet hat, kann schneller reagieren und bleibt anschlussfähig – unabhängig vom Fördermodell.

Kommunikationswege aktiv gestalten
Unternehmen sind verschieden: Einige wünschen geringe öffentliche Sichtbarkeit, andere erwarten aktives Co-Branding und Storytelling. Je klarer eine fördernde Organisation ihre eigenen Kommunikationsrichtlinien definiert, desto leichter gelingt die Zusammenarbeit aus Sicht der Antragstellenden.

Netzwerkaufbau priorisieren
Transnationale Fonds lassen sich selten über klassische Datenbanken finden, sondern der Zugang läuft oft über Netzwerke, Veranstaltungen und internationale Partnerschaften.

Gerade in Zeiten, in denen KI-gestützte Tools vermehrt genutzt werden und Fördergeber eine Flut standardisierter Anträge erhalten, kann genau das ein strategischer Vorteil sein. Persönliche Beziehungen und gezielte Netzwerkarbeit erschließen Förderquellen, die das modernste KI-Tool nicht automatisch finden kann. Daher sollte die systematische Pflege relevanter Kontakte ein fester Bestandteil jeder Fundraisingstrategie sein.

Ein guter Einstieg sind Fachveranstaltungen wie das oben angekündigte Fördermittelsymposium, das die EU-Fundraising Association in Kooperation mit dem Deutschen Fundraising Verband ausrichtet, bei dem genau solche Kontakte entstehen. Denn die KI kann ihnen zwar beim Schreiben und Recherchieren von Förderanträgen gut behilflich sein (hier übrigens noch ein paar konkrete Tipps und Tricks zur Nutzung und Implementierung aus einem vergangenen Fördertipp), ersetzt aber nicht jahrelange Erfahrung von den Personen, die am Ende die Entscheidung über die Mittel treffen oder Projektideen ausbrüten. Echte Netzwerke von engagierten Menschen sind stets nachhaltiger als der neueste Stern am Technologiehimmel.

 

Es bewegt sich viel in der Förderlandschaft, und jede Veränderung ist immer auch eine Herausforderung. Aber wer die neuen Möglichkeiten klug in die eigene Förderstrategie einbettet, gewinnt Handlungsspielraum dazu, der sich nachhaltig auszahlt.

 

#emcra_Möglichkeiten_im_Wandel_nutzen

Bei emcra beobachten wir die Entwicklungen, die wir in diesem Fördertipp skizziert haben, mit teilweise gemischten Gefühlen: Transnationale Finanzierung wird flexibler aber auch kurzfristiger und unübersichtlicher. Gleichzeitig eröffnet genau diese Entwicklung neue Räume für Organisationen, die bereit sind, ihre Recherche, ihre Netzwerkstrategien und ihre Kommunikationsarbeit neu auszurichten. Wir beobachten immer, dass jede Entwicklung Chance und Herausforderung zugleich ist.

Wir merken in unseren Weiterbildungen und Beratungen deutlich: Fundraiser:innen müssen heute stärker strategisch arbeiten und sich auf wechselnde Anforderungen einstellen. Die Zeiten, in denen eine Stiftung über Jahrzehnte stabil fördert, sind seltener geworden. Stattdessen entstehen internationale Fonds, private Förderpools und agile Corporate-Giving-Strukturen mit eigener Logik - nicht selten mit einem weniger langfristigen Fokus.

Wir raten Euch: Nutzt diese Vielfalt, wo sie gut zu Euch passt. Wer die Mechanismen transnationaler Finanzierung versteht, kann innovative Projekte platzieren, neue Kooperationen aufbauen und Förderquellen nutzen, die vor wenigen Jahren kaum existierten. Gleichzeitig bleibt es wichtig, die eigenen Werte, Qualitätsstandards und Transparenzansprüche klar zu definieren – gerade gegenüber weniger regulierten Förderinstrumenten. Und es bleibt wichtig, immer auch langfristig angelegte Förder- und Fundraising-Projekte und Beziehungen (z. B. mit öffentlicher Förderung über mehrere Jahre) im Projektportfolio zu haben, weil diese Projekte i. d. R. auch in wirtschaftlichen Krisenzeiten verlässlich weiter fördern.

Unser Fazit: Eine sich weiter ausdifferenzierende Förderlandschaft verlangt mehr Aufmerksamkeit sowie eine Portion Mut Neues zu wagen. Aber sie öffnet Organisationen, die Neues lernen, Überkommendes verlernen und sich anpassen, auch neue Möglichkeiten, zusätzliche Wirkung zu erzielen und ihre Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen. Diese breitere Basis liegt uns bei emcra besonders am Herzen, denn damit sichert Ihr die langfristige Überlebensfähigkeit Eurer Organisation.

 

Haben Sie Interesse oder Fragen zu diesen Angeboten? Bitte kontaktieren Sie uns direkt (030/ 3180 1330) oder per E-Mail an info@emcra.eu. Wir informieren Sie auch gerne über die umfassenden Fördermöglichkeiten, um Ihre Teilnahme an unseren Weiterbildungen zu ermöglichen. Ihre Teilnahme kann bis zu 100 % gefördert werden. Die geförderte Teilnahme ist auch berufsbegleitend möglich, wobei der Arbeitgeber zusätzlich zur Weiterbildungsförderung einen Lohnkostenzuschuss erhalten kann.

 

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