Die richtigen Geschichten erzählen: Storytelling im Fundraising

21.07.2021, 16:12

Storytelling ist zwar ein relativ neumodischer Begriff, aber das Prinzip “Geschichten erzählen” ist so alt wie die Menschheit selbst. Schon die Kinderbücher, die uns vor mehr oder weniger langer Zeit vorgelesen wurden, enthielten Stories über Fabelwesen und Märchengestalten, die aber letztlich Lektionen und Geschichten vom echten Leben erzählten.

Von uralten Sagengestalten bis hin zum Gründungsmythos des hippen Silicon Valley Start-Ups: Mit den Geschichten, die wir uns täglich erzählen, übermitteln wir Wissen, Emotionen und Informationen, ohne uns mit abstrakten Fakten zu langweilen. Die Stories, die Sie Ihren potenziellen Geber:innen erzählen, sollten im Idealfall zwar nicht von Hänsel und Gretel oder dem großen bösen Wolf handeln, aber die gleichen menschlichen Bedürfnisse und Reize ansprechen wie die Fabelwesen von anno dazumal.

Durch die persönliche, aus der menschlichen Erfahrung stammenden Perspektive, erscheinen uns Geschichten bzw. “Stories” oft glaubhafter und wichtiger als eine bloße Aufzählung von Zahlen und Statistiken. Der geneigten Geber- oder Förder:in ist es wahrscheinlich egal, ob Ihr Verein 162 oder 198 Mitglieder hat oder ob er 1962 oder 1965 gegründet wurde. Die Geschichte allerdings, wie sich Ihr Wirken positiv auf persönliche Schicksale auswirkt, hat ein viel größeres Potenzial, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Storytelling im Fundraising hat zur Aufgabe, die Geschichte der Organisation mit der persönlichen Lebensrealität (potenzieller) Geber:innen zu verknüpfen. Idealerweise ist die Gerber:in die Heldin dieser Geschichte. Ihre Stories sollen erzählen, wie eine Spende an Ihre Organisation die Welt verändern kann oder das schon ganz konkret getan hat - sodass Ihre Organisation ein Teil der Lebensgeschichte Ihrer Geber:in werden kann.

Im besten Fall ist Ihre Geber:in am Ende sogar bereit, ihre Geschichte selber zu erzählen und Ihnen zur Verfügung zu stellen, um sie in Mailings, Flyern, auf Ihrer Website etc. weiterzuerzählen.

 

Geschichten schreiben kann man lernen! Hier erfahren Sie unsere besten Tipps für die besten Stories: 



Wo ist der Haken?

Beginnen Sie Ihre Geschichte mit einem “Hook” - etwas, das die Aufmerksamkeit der Leser:in oder Zuhörer:in direkt aufgreift und nicht mehr loslässt. Das kann eine spannende Überschrift sein, oder eine “was wäre wenn” - Frage. Vielleicht aber auch ein aufsehenerregender Fakt oder ganz einfach etwas, das man nicht alle Tage sieht.

 

Sein Sie nicht planlos!

Schreiben Sie nicht ohne Plan drauf los! Hollywood nutzt seit jeher sogenannte “Storyboards”. Das ist ein Schema, auf dem der Verlauf der Geschichte vor ihrer Ausformulierung (oder dem Filmdreh) skizziert wird, sodass beim Erzählen nicht der Fokus verloren geht. Sie können das mittels eines Flussdiagramms oder einer Mind-Map machen - oder aber auch ganz einfach die Eckdaten Ihrer Geschichte nacheinander aufzählen. Denken Sie daran, dass jede gute Geschichte eine Protagonist:in, einen Konflikt, einen Höhepunkt und eine Auflösung hat.

 

Behalten Sie Ihren Fokus!

Erzählen Sie eine Geschichte über eine Person, einen Ort oder eine Sache. Fokussieren Sie sich auf‘s Wesentliche. Wenn Ihre Geschichte anfängt, abzuschweifen, tut das die Leser:in auch. Außerdem ist es einfacher, Sympathie (und damit letztlich den Spendenwillen) für etwas zu erzeugen, das emotional greifbar ist. Die individuelle Geschichte eines Menschen ist also in vielen Fällen effektiver, als Statistiken über Tausende einzuführen.

 

Mehr als tausend Worte ...

Geschichte ist nicht nur Text. Nutzen Sie Bilder, bewegt oder unbewegt, um Ihre Geschichte zu untermalen und zu bereichern. Auch Infografiken, die Statistiken oder Forschungsergebnisse visualisieren, sind ein beliebtes Tool, um effizient Informationen zu vermitteln, die anderweitig langatmig rüberkommen könnten.

 

Ehrlich währt am Längsten.

Geschichten im Märchenbuch können fantastisch sein, Geschichten aus dem Fundraising können beeindruckend sein, aber sollten ehrlich und glaubwürdig bleiben. Sie erzählen eine Geschichte von der Arbeit Ihrer Organisation, und das sollte kein Märchen sein. Bleiben Sie spezifisch, um Ihre Story in der Realität zu verankern. Je nachvollziehbarer Ihre Geschichte ist, desto glaubhafter ist sie. Reden Sie nicht von “vielen Menschen” und “vor einiger Zeit” sondern von “über tausend Menschen” und “im Jahr 2020”.

 

Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei, Ihre Zielgruppen, Geber:innen und Förderer:innen mit Ihren Stories zu begeistern!




#emcra_Geschichten

 

Eine Geschichte, an derer Erfolg wir seit vielen Jahren mitschreiben, ist der Versuch, in Deutschland einen Beitrag zum Zusammenwachsen der professionellen Fundraising- und Fördermittelszenen zu leisten. Wir haben nie verstanden, warum sich das klassische Fundraising (Spenden, Stiftungen etc.) und die Beantragung von öffentlichen Fördermitteln von Bund, Ländern und EU über so viele Jahre so wenig zu sagen hatten. Das ändert sich langsam, aber stetig.

Unsere Geschäftsführerin Heike Kraack-Tichy leitet z. B. seit diesem Jahr zusammen mit unseren geschätzten Kollegen Torsten Schmotz und Bernd Kreh die neue Fachgruppe Fördermittel beim Deutsche Fundraising Verband (DFRV). Das Interesse an dem ersten Treffen der Fachgruppe war überwältigend und hat gezeigt, wie sehr die beiden Bereiche Förderung und Fundraising in der Praxis zusammengehören. Eine Dokumentation des ersten Fachgruppentreffens u.a. mit neun spannenden und aktuellen Förderchancen ist hier frei verfügbar zugänglich.

Es war ein langer Weg bis dahin. Als wir im Jahr 2005 als erster deutscher Anbieter eine zertifizierte Weiterbildung zur EU-Fundraiser:in gestartet haben, gab es viel Unverständnis und Kritik. Unser Konzept war schon damals, EU-Fördermittel und z. B. Stiftungsgelder sinnvoll zu verbinden. Mittlerweile ist EU-Fundraising als Berufsbezeichnung etabliert und wenn man akzeptiert, dass kopiert werden die höchste Form der Anerkennung ist, dann haben wir einiges erreicht. Der Begriff EU-Fundraising ist lange im Fundraising-Mainstream angekommen und ein emcra-Zertifikat oftmals ein Orientierungspunkt für Arbeitgeber:innen bei Neueinstellungen.

Ein weiteres wichtiges Etappenziel haben wir in 2021 erreicht. Mit dem Start der neuen zertifizierten Weiterbildung zur Fundraising Manager:in schließt sich ein Kreis. Bei emcra können Sie jetzt das gesamte Themenspektrum aus dem Bereich Förderung und Fundraising im Rahmen von vier zertifizierten Weiterbildungen studieren. Oder Sie stellen sich Ihre individuelle Wunsch-Weiterbildung aus unseren insgesamt 19 ebenfalls zertifizierten Seminarmodulen selbst zusammen.






Haben Sie Interesse oder Fragen zu diesen Angeboten? Bitte kontaktieren Sie uns direkt (030/ 3180 1330) oder per Mail an info@emcra.eu. Wir Informieren Sie auch gerne über die umfassenden Fördermöglichkeiten, um Ihre Teilnahme zu ermöglichen. Ihre Teilnahme kann bis zu 100 % gefördert werden. Die geförderte Teilnahme ist auch berufsbegleitend möglich, wobei der Arbeitgeber zusätzlich zur Weiterbildungsförderung einen Lohnkostenzuschuss erhalten kann. 

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